KELME holt sich den vierten Sieg der Saison
Toni Tauler düpiert Sean Kelly in packendem Sprinter-Finale
Es war die bewährte Taktik, mit der KELME auch die drei Etappensiege beim Giro herausgefahren hatte: das Team schon in der Startphase zusammenbringen und dann gemeinsam in Teamarbeit Tempo machen bis ins Ziel. Und auch wenn die die Konkurrenz inzwischen verstanden hat, welche Taktik der Sportliche Leiter Andrea Pino seinen Jungs verordent hat, bislang hat sich noch kein wirklich wirkendes gegenmittel gefunden. Pino ist es bisher einfach jedesmal gelungen, dieses Radsport-"Tiki-Taka" in Perfektion auf die Straße zu bringen. Auch bei PARIS-TOURS, dem kurzfristig noch in's Saisonprogramm 2022 gehieften Tagesklassiker, hat sich PEUGEOT einmal mehr die Zähne ausgebissen an den beinharten Spaniern. Allerdings zeigten die Franzosen unter ihrem Teamdirektor SCHENNIE KÖRPER auch wieder, wie man dem Team-Tiki-Taka" begegnen muss: Ellenbogenduelle wann immer es geht. Nur in eines konnten sie Kelme zwingen: Jens Voigt setzte sich gegen Didi Thurau durch und konnte so den Kelme-Zug im letzten Renndrittel auseinanderbrechen und das rennen nochmal spannend machen.
Auf überwiegend flachem Terrain war es das erwartete Rennen der Sprinter und Rouleure. Komplettiert wurde das Feld durch das neuformierte Nachwuchsteam "JUMBO-VISMA", das dank einer Wildcard in die Pro-Tour hineinschnuppern durfte. Dessen sportlicher Leiter Camillo Zeeman führte sein Team mit dem Kapitän Tadej Pogacar und dem Bergspezialisten Eddy Merckx überraschend souverän durch das nur 12 Runden kurze Rennen. Auch wenn der Sprinter des Teams, Marcel Kittel, einen ganz schlechten Tag erwischte und schon zur MItte des Rennens einen Hungerast durchlitt, konnte Routier Emmanuel Buchmann bis zum Schluss in der Spitzengruppe mitfahren und musste sich erst im Sprintfinale den stärkeren Waden der Sprintspezialisten geschlagen geben. Der dritte Platz lässt für die Zukunft jedoch aufhorchen. Den Sieg holte sich in einem hochdramtischen langgezogenen Sprintfinale Toni Tauler (KELME). Sean Kelly (PEUGEOT) hatte den Sprint eröffnet und schon einige Meter zwischen sich und die Konkurrenz gebracht - doch war der Weg zur Ziellinie noch lang und Tauler kämpfte sich noch einmal an's Hinterrad von Kelly. Im Windschatten konnte er dann dessen Schlusssprint mitgehen, um auf den letzten Metern noch am verdutzten Konkurrenten vorbeizuziehen. Es war die dramatischste Zielankunft der Saison 2022.
Im Kampf um den Weltcupsieg 2022 holte sich Jens Voigt (PEUGEOT) einen weiteren Punkt vor seinem in der Weltcupwertung nur einen Punkt hinter ihm liegenden Konkurrenten Miguel Indurain (KELME). Dieser verzockte sich an der einzigen Verpflegungsstation des Tages, als er sich lieber einen Proviantbeutel reichen ließ, als mit seinen Teamkollegen vorne weiter Tempo zu machen, und so die zweite Hälfte des Renens auf sich gestellt blieb und am Ende mit einem Rückstand von 50 Sekunden in's Ziel rollte. Doch Indurain hat seinen Saisonhöhepunkt noch vor sich: die letzte Etappe des GIRO 2022, wo sein größter Triumph zum Greifen nah ist, und er erstmals eine große Rundfahrt gewinnen und sich in die Hall-of-Fame des Radsports eintragen könnte...