Wim van Est (Ti Raleigh) gelingt Sensationssieg in der Lombardei!

Im dramatischen Zielsprint ringt er seinen Landsmann Joop Zoetemelk nieder!

Ralf Vanpey, Teamdirektor von Ti-Raleigh hatte am Ende gut lachen. Als sein Kapitän WIM VAN EST am Ende eines wahren Marathons um 02:30 Uhr mitteleuröpäischer Zeit endlich über die Ziellinie fuhr,  war das kaum für möglich gehaltene vollbracht: das Monument LOMBARDEI-Rundfahrt war bezwungen - die Sensation war perfekt!

Bei ungewöhnlich kaltem Wetter, war das Rennen mit einiger Verspätung um 18:30 Uhr in Bergamo gestartet worden. Kurz vor Meldeschluss komplettierte BORA-HANSGROHE mit seinem Team-Direktor Peter Alltag  noch das Starterfeld, welches diesmal mit 18 Radlern und den vier weiteren Teams von La REDOUTE, WERNER-TV, PEUGEOT und KELME besonders groß war.

Schon vom Start weg attackierte KELME, angetrieben von seinem - nach langer Rennabstinenz ganz besonders motivierten - sportlichen Leiter Andreas Pino, der neben Miguel Indurain als Kapitän und Fedrico Bahamontes als Bergfahrer, auch dem "blonden Engel" Didi Thurau vertraute. Zunächst war es BAHAMONTES, der versuchte, sich gemeinsam mit dem Raleigh-Rouleur Hennie KUIPER vom Feld abzusetzen. Dies gelang jedoch nur kurzzeitig. Immer wieder verschärfte KELME in wechselnden Allianzen, das Tempo, um sich vom Hauptfeld abzusetzen - doch dieses war stets hellwach und immer in der Lage, eine entstehende Lücke schnell wieder zu schließen...

Die erste Sprintwertung in der 4.Runde holte sich  THOR HUSHOVD, angeführt von seiner wieder sehr engagierten Sportdirektorin Lea Rad, die sich in ihrem vierten Profi-Rennen vorgenommen hatte,  nach drei Podiumsplatzierungen nun endlich auch einmal ganz oben zu landen. Didi Thurau und Hennie Kuiper holten sich weitere Sprintpunkte im Kampf um die neu eingeführte Tagessprintwertung und den damit verbundenen "Grünen Punkt"...

Im unmittelbar darauf folgenden Anstieg zur ersten Bergwertung hoch zum VALICO DI VALCAVA musste HUSHOVD, übrigens der einzige nominelle Sprinter im Fahrerfeld am heutigen Tag, dann aber - sehr zum Mißfallen seiner sportlichen Directrice - jene beiden, DIDI THURAU (KELME) und HENNIE KUIPER (TiRALEIGH), ziehen lassen.  Oben auf dem Gipfel hatten sie immerhin 20 Sekunden Vorsprung auf das von LAURENT FIGNON (La REDOUTE) angeführte Hauptfeld herausgeholt. In demselben versteckten sich (noch) die eigentlichen Favoriten auf den Tagessieg: Joop ZOETEMELK und Jens VOIGT. Und auch Peter Alltag, schien bis dahin noch mehr mit sich selbst und der teaminternen Organisation beschäftigt zu sein, als dass er schon in der Lage war, sportliche Akzente zu setzen...

Am Ende der rasenden Abfahrt, die bei der weiterhin herrschenden kalten Witterung besonders schmerzlich für die Radler ist, hatten KUIPER und THURAU, die offensichtlich gut miteinander harmonierten, ihren Vorsprung auf '30 Sekunden ausbauen können - allerdings war aus dem Duett ein Trio geworden, denn LAURENT FIGNON war es gelungen,  zu den beiden Ausreißern aufzuschliessen.

Während Hennie KUIPER vorne also die zarten Hoffnungen seines Teamchef RALF VANPEY nährte, geriet derweil sein Kapitän WIM VAN EST hinten in Schwierigkeiten und fiel hinter das Hauptfeld zurück. Nur mit Hlfe seines Adjudanten JAN JANSSEN gelang es ihm, den Rückstand nicht zu groß werden zu lassen und bald wieder aufzuschließen... In dieser Phase des Rennens kaum mehr als eine Randnotiz. Doch wenn man weiß, zu was der tapfere WIM am Ende noch fähig sein sollte, dann fällt diese scheinbare Randnotiz doch umso mehr in's Gewicht und lässt die Leistung des Niederländers noch heller leuchten...

Immer wieder versuchte in dieser vorentscheidenden Phase des Rennens auch Andreas PINO Einfluß auf seinen Sportdirektoren-Kollegen RALF VANPEY zu nehmen und ihm taktische Winkelzüge nahezubringen, die - so zumindest wusste er es zu verkaufen - am Ende ihnen beiden zum Sieg  verhelfen würden. Dass es nur einen Sieger in einem solchen Rennen geben kann, das thematisierte der umtriebige PINO freillig nicht. Und im Anstieg zur berüchtigten MURO Di SORMANO hatte KUIPER dann auch seine Körner verbraucht und musste KELMES Kapitän INDURAIN davonziehen lassen, der nun seine Chance witterte...

Oben auf dem Gipfel holte sich dann aber doch Joop ZOETEMELK die 2.Bergwertung vor Miguel INDURAIN und Julio JIMÉNEZ. WERNER-Television war nun offenbar gewillt, das Kommando an der Spitze zu übernehmen und ZOETEMELK, schien entschlossen, seinen LOMBARDEI-Titel aus dem Jahre 2014 erfolgreich zu verteidigen...

Aber auch alle anderen Teams hatten vor dem finalen Viertel des Rennens ihre wichtigsten Fahrer noch dabei und lauerten auf die Chance zur Attacke. Lediglich Emanuel Buchmann, Teamkapitän von BORA-HANSGROHE hatte einen gebrauchten Tag erwischt und war an der "Mauer von Sormano"  geradezu zerschellt. Einsame vier Minuten sollte am Ende sein Rückstand auf den Sieger betragen. Aber wer dieser Sieger sein würde, das war zu diesem Zeitpunkt - vier Runden vor Schluss - noch völlig offen...

Joop Zoetemelk war es, der sich als erster aus der Deckung wagte. Gemeinsam mit seinem treuen Teamkollegen Julio JIMÉNEZ setzt er im Tal vor dem letzten kurzen Anstieg zur MADONNA DEL GHISALLO zur Attacke an. Er holt sich die letzte Bergwertung und zieht dann auch in der Abfahrt hinunter zum Zielort Lecco durch. INDURAIN, der sich zuvor offenbar schon verausgabt hatte, kann nicht mehr folgen, was sein SportDirektor Andreas PINO mit allmählich wachsender Resignation zur Kenntnis nimmt...

Auch in LEA RAD wächst in diesem Moment die Erkenntnis, dass es wohl auch im vierten Anlauf sehr schwer werden dürfte, einem Altmeister wie JOPP ZOETEMELK den Sieg hier noch zu entreissen. Über den TOURfunk hört man, wie Schennie Körper, Teamchef von PEUGEOT, seinem Kollegen WERNER POST zum Sieg gratuliert. Auch er ist bedient, denn weder sein sowieso angezählter Kapitän Bernard THÉVENET noch sein Topfahrer JENS VOIGT konnten in diesem Rennen bisher Akzente setzen. Noch sind zwar zwei Runden zu fahren, aber der Niederländer scheint zu stark, als das jemand hoffen könnte, ihn nochmal einzuholen...

Nur einer kämpft weiter und gibt die Hoffnung bis zur letzten Runde nicht auf: WIM VAN EST. Wer schon einmal einen 70m-Sturz den Abhang hinunter überlebt hat, der wird auch einem Altmeister trotzen können, mag sich RALF VANPEY gedacht haben - und  sein verSCHMITZtes  Grinsen in die Kamera des Begleitmotorrads scheint anzudeuten, dass er ahnt, was noch niemand zu diesem Zeitpunkt für möglich hält: "Der Wim kann das gewinnen!"

Mit einem gewaltigen Antritt in der Schlussrunde gelingt es tatsächlich nicht nur WIM VAN EST, sondern auch Laurent FIGNON (La Redoute) und Jens VOIGT (Peugeot) noch vor der Ziellinie zum augepowerten  Zoetemelk aufzuschließen, der seine Trümpfe offenbar schon alle ausgespielt hat...

 

 

Im Zielsprint kann sich VAN EST, der seine Kräfte offenbar hervorragend eingeteilt hat, souverän durchsetzen. Von der Spitze weg zieht er den Sprint an und fährt ungefährdet und mit klarem Vorsprung als Erster über die Ziellinie während die anderen,  durch die fortwährende Kälte und die wiederholten Attacken aus dem Hauptfeld zermürbt, nun kaum noch etwas zuzusetzen haben und entkräftet ausrollen lassen müssen.

WIM VAN EST gewinnt das Radsport-Monument Lombardei-rundfahrt und holt den ersten großen Titel für Ti-RALEIGH. Völlig geschafft, übermüdet und GLÜCKLICH nimmt RALF VANPEY am Ende die Gratulationen seiner Konkurrenten entgegen, bevor er sich dann am übernächsten Tag, mit einem hübschen, kleinen Pokal im Gepäck aus der italienischen PROVINZ wieder in Richtung seiner (Berliner) Heimat auf den Weg macht...