Wolfshohl holt sich das GELBE TRIKOT zurück.

Doppelsieg für BIANCHI auf der Königsetappe!

Karl-Heinz Kunde, seines Zeichens der neue Edelhelfer im Team BIANCHI, setzte seinem Kapitän auf der Königsetappe der Tour die Krone auf. Fast so wie einst Sam Gamdschie seinen Herrn Frodo auf den Gipfel des Schicksalsbergs im Lande Mordor trug, so trug der treue Karl-Heinz nun seinen Herrn Rolf auf den Gipfel des Alpe d'Huez. Ganz allein bewältigten die beiden BIANCHI-Fahrer den langen Anstieg, denn die ärgsten Konkurrenten Jens Voigt (PEUGEOT-videovita), Joop Zoetemelk (WERNER-Television) und vor allem Julio Jimènez (im Gelben Trikot) waren schon am Fuße des "Schicksalsberges" der diesjährigen TOUR abgehängt.

Doch von Anfang an: schon zu Beginn der Etappe ist spürbar, um was es heute geht. Die Serpentinenstraße des Anstiegs zum Alpe D'Huez zeichnet sich drohend am Horizont ab. Lieber nicht zu früh die Energie-Chips raushauen, mögen sich die Favoriten Zoetemelk und Jiminez gedacht haben, und halten sich zunächst lieber zurück - am Ende des Feldes. Vorne macht, wie schon auf der 3.Etappe, das Dummie-Team LA VIE CLAIRE Tempo. Richard Virenque* - seit dem Rückzug des Hardy Jacksons (SEM) aus dem Profiradsport vertragsloser Bergspezialist, attackiert vom Start weg. Gefolgt von seinem Kapitän, dem Mann im Bergtrikot, Rémi Cavagna*.

Aber auch JENS VOIGT fährt vorne mit, holt sich am Ende der 3.Runde mit einem starken Antritt die einzige Sprintwertung des Tages und signalisiert damit, worum es ihm am heutigen Tage wohl vor allem geht: die Attacke auf das GRÜNE TRIKOT, das - mit nur einem Punkt Vorsprung - von Joop ZOETEMEK (WERNER) getragen wird.

Dann geht es in den Anstieg zum GALIBIER, der ersten HC-Bergwertung dieser Königsetappe. RICHARD VIRENQUE* zeigt, dass er am Berg nichts verlernt hat und holt sich die 20 Bergpunkte mit einem Vorsprung von 20 Sekunden auf die größte Gruppe der Verfolger. In dieser befinden sich noch alle Favoriten - bis auf einen: ausgerechnet der Mann in Gelb, der große Hoffnungsträger von WERNER-TV, JULIO JIMÈNEZ hat einen rabenschwarzen Tag erwischt. Ob es daran liegt, dass er sich bei seinem Etappensieg am Vortag verausgabt hatte, oder ob er vom Teamarzt die falschen Mittelchen gespritzt bekam - jedenfalls kann er in der ersten Hälfte des Rennens das hohe Tempo nicht mitgehen und fällt zwischnzeitlich sogar '30 Sekunden hinter die Verfolgergruppe zurück.

Dies blieb natürlich auch der Teamleitung von BIANCHI nicht verborgen - und es dürfte einen zusätzlichen Motivationsschub gegeben haben, um an diesem Tage alles - aber auch wirklich alles in die Waagschale zu werfen, und das GELBE TRIKOT zurück zu erobern. Torsten Maferro rotiert hochkonzentriert  im Teamwagen und gibt über Funk das Signal zur Attacke: Sein volles Vertrauen hat dabei Karl-Heinz Kunde, der erst kurz vor TOURstart als Edeldomestik  für WOLFSHOHL verpflichtet wurde - einer Rolle, der Fausto POPPI zuletzt nicht mehr gewachsen zu sein schien.

Und K.-H.Kunde sollte seinen Teamchef nicht enttäuschen. Schon am Fuße zum Alpe d'Huez haben KUNDE und WOLFSHOHL zu VIRENQUE* aufgeschlossen. Das Verfolgerfeld liegt nun schon satte '50 Sekunden dahinter. JIMÈNEZ im gelben Trikot sogar 1'10. Und Kunde hält sich nicht lange mit Taktieren auf - er attackiert im Wechsel mit seinem Kapitän. Virenque* hat - wie so oft zuvor - nichts mehr entgegen zu setzen. Und Kunde fährt und fährt und fährt. Seine Kräfte lassen bis zum Gipfel nicht nach und so trägt er seinen Kapitän mit nach oben - beide halten den Abstand auf die Verfolger im Anstieg zum Gipfel konstant bei ca. '60 Sekunden und fahren schließlich ungefährdet Hand in Hand über die Ziellinie. Wolfshohl hätte seinem Helfer dabei gerne den Tagessieg überlassen, als Dank für seine treue Hilfe - aber aus dem Teamauto kommt die Order, dass er sich auch die 10 Sekunden Zeitgutschrift für den Sieg zu sichern habe. Ein Rennen wie gemalt für BIANCHI - und ein Desaster für WERNER-Television, was nicht nur das GELBE TRIKOT wieder an BIANCHI abgeben muss, sondern auch das GRÜNE TRIKOT an PEUGEOT verliert.

Am Ende muss WERNER POST seinem Kollegen TORSTEN MAFERRO zum verdienten Sieg gratulieren. Allerdings wird man sich auch fragen müssen, ob es richtig war zwischenzeitlich die Teamorder auszurufen, ausgerechnet den seit Jahren eher "unauffällig" fahrenden Gerrie KNETEMANN zu unterstützen. Dies mag für die Menschlichkeit und die pädagogischen Qualitäten eines Werner Post sprechen - von unbedingtem Siegeswillen und einem guten Spür für das Momentum eines Rennens zeugt es jedoch nicht...

Immerhin gelingt es Julio JIMÈNEZ zum Ende hin noch, wieder in die Gruppe der Verfolger aufzuschließen und den Rückstand auf den Tagessieger zu verkürzen. Gemeinsam mit ZOETEMEK und VOIGT, Pippa MILLAR und CAVAGNA* bleibt der Rückstand mit 1'00 noch in erträglichem Rahmen. Lediglich BERNARD THÈVENET war es gelungen, sich auf den letzten Kilometern nochmal fast zum Führungsduo heranzukämpfen. '10 Sekunden waren es in der letzten Kehre - aber am Ende dann doch '30 Sekunden Rückstand für den Altmeister aus dem PEUGEOT-Stall, dessen tage als Teamkapitän, wie man munkelt, gezählt sein sollen: Jacques ANQUETIL stehe angeblich kurz vor der Vertragsunterzeichnung als neuer Kapitän bei PEUGEOT-VIDEOVITA.

Das alles kann TORSTEN MAFERRO und BIANCHI jedoch schnuppe sein - in dieser Form dürfte nun der Weg nach PARIS nur über die Leiche von ROLF WOLFSHOHL führen...

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Fotos aus dem Bianchi Teamfahrzeug

Fotos der Drohne von Werner-Television