JULIO JIMÉNEZ gewinnt die erste schwere Bergetappe der TOUR 2021/22 und holt sich das GELBE TRIKOT!
Aber was war das für ein Ritt!
Über gleich vier Gipfel der Pyrenäen geht es von Pau aus bevor am Ende nach kurzer Abfahrt die Zielankunft in Bagnères-de-Luchon auf Höhenmeter 643m erreicht wurde.
Und schon zu Beginn legt das französische Dummie-Team LA VIE CLAIRE los wie der Teufel. Dessen Kapitän Rémi Cavagna fährt im gepunkteten Bergtrikot - und das verleiht dem ansonsten als notorischem Bummler und Weintrinker verschrienen Dummie offenbar ungeahnte Kräfte! Cavagna reisst aus - unterstützt zunächst von seinen Teamkollegen Richard Virenque* und Eugène Christophe*. Und bald kämpft sich auch Julio Jiménez vom TEAM WERNER zu den drei Ausreißern nach vorn. Am Fuße des ersten Berges haben die vier Ausreißer 40 Sekunden Vorsprung auf das Hauptfeld, angeführt von Robert “Philippa” Millar (PEUGEOT).
Im Anstieg zum COL DU TOURMALET, der ersten schweren Bergprüfung dieser Etappe und der gesamten TOUR lassen JIMÉNEZ und CAVAGNA dann die anderen beiden zurück und machen den prestigeträchtigen Kampf um die Berpunkte unter sich aus. Und Cavagna zeigt nicht die geringste Schwäche: er holt sich die HC-Bergwertung um eine Reifenbreite vor JIMÉNEZ, während im Peloton nur halbherzig von BIANCHI und PEUGEOT Tempo gemacht wird, denn der Rückstand von Cavagna* und JIMENEZ in der Gesamtwertung scheint doch zu groß, als dass einer von beiden eine ernstzunehmende Gefahr werden könnte. BIANCHI ist zudem nicht daran interessiert, die Verfolgung anzuheizen, da ihr Mann in GELB, Rolf Wolfshohl, zu beginn des Rennens offenbar ganz schlechte Beine und ernsthafte Probleme hat, das recht Tempo mitzugehen. Zwischenzeitlich fällt er sogar um 30 Sekunden aus dem Peloton heraus. Doch mit Hilfe seines Teamkollegen Thaler gelingt es ihm im Anstieg zur zweiten Bergwertung des Tages wieder zu den direkten Konkurrenten Thevenet, Voigt und Zoetemelk aufzuschließen - ja, sogar an THÉVENET, der nun ebenfalls arg leidet und offenbar einen “Hungerast” erwischt hat, vorbeizuziehen! Nur um kurz darauf, während der rasenden Abfahrt auf inzwischen regennasser Fahrbahn auszugleiten und zu stürzen.
Währenddessen haben sich die beiden an der Spitze offensichtlich auf einen Nichtangriffspakt geeinigt und machen weiter Tempo. Vor allem Cavagna leistet unermüdliche Führungsarbeit. JIMÉMEZ hält sich vornehm zurück und bleibt konsequent am Hinterrad des Dummies. Er hat natürlich kein Interesse (und vermutlich auch nicht die Erlaubnis), seinem Kapitän ZOETEMELK allzu weit davon zu fahren.
MIt angespannter Mine verfolgt Torsten Maferro die Aufholjagd seiner beiden Mannen, der neuverpflichtete Bergfahrer Karl-Heinz KUNDE zieht seinen Kapitän WOLFSHOHL auch über den letzten Berg, den COL de PEYESOURDE - doch der Abstand zu den Ausreißern will einfach nicht kleiner werden. Schon jetzt ist JIMÈNEZ virtueller Träger des GELBEN TRIKOTS und es bleiben nur noch zwei Runden bis zum Ziel…
Auf dem Weg dorthin haben die beiden Ausreißer alle vier Bergwertungen unter sich ausgemacht - und jedesmal blieb RÉMI CAVAGNA Sieger. Eine unglaubliche Vorstellung des Mannes in Polkadot - und natürlich bleibt er auch auf der 4.Etappe der Träger des begehrten Bergtrikots- mit großem Vorsprung vor JIMÉNEZ!
Doch dieser vierfache Triumph in den bergwertungen hat ihn natürlich auch Kraft gekostet. Die entscheidenden Körner, die ihm dann ganz am Ende fehlten. Und so passiert, was passieren musste:
JULIO JIMÉNEZ, zieht mit einer letzten Attacke auf der Abfahrt in’ Richtung Ziel an CAVAGNA vorbei und auch wenn es diesem noch gelingt, an seinem Hinterrad zu bleiben, so gewinnt der Spanier doch den Zielsprint klar und holt sich am Ende das, was er wahrscheinlich die ganze Zeit im Hinterkopf hatte: den Tagessieg und - das GELBE TRIKOT!
TEAM WERNER um seinen triumphierenden directeur sportif WERNER POST hat nun mit JIMÈNEZ (in gelb) und ZOETEMELK (1'20 zurück) komfortable zwei Eisen im Feuer, um auf der 4.Etappe, der Königsetappe der diesjährigen TOUR alle taktischen Trümpfe auszuspielen… Und der sympathische JULIO JIMÈNEZ darf nun vom größten Erfolg seines Sportlerlebens träumen…