Das Comeback von Bianchi!

Ein großer Tag für Italien! Nationalheld Fausto Poppi holt sich auf der 2.Etappe des BikeRace-GIRO 2020 den Sieg und bringt alle Kritiker vorerst zum Schweigen, die dem Bianchi-Team nach einer Serie von Mißerfolgen schon die Siegerqualität abgesprochen hatten.

Die Initialzündung war vieleicht der unmittelbar vor’m GIRO erfolgte Rauswurf des über Jahre völlig glücklosen Sprinters Gino Bartali aus dem Team und die Neuverpflichtung von Rik van Loy (vormals bei Molteni unter Vertrag), welche dem Team um den nachwievor unangefochtenen Teamkapitän ROLF WOLFSHOHL den entscheidenden Impuls gegeben haben. Jedenfalls funktionierte die Mannschaft auf einmal wieder und hatte auf dieser 2.Etappe ganz offensichtlich einen Plan, den sie - angetrieben von ihrem sportlichen Leiter Torsten Maferro dieses Mal auch konsequent umsetzten.

Hinzu kam natürlich das niemals planbare “Momentum” - jener Augenblick in einem Rennen, der die idealen Voraussetzungen für eine Attacke bietet - und den es gedankenschnell zu nutzen gilt. Dies gelang Torsten Maferro, als er zu Beginn des ersten Anstiegs auf den PASSO DEL PURA der ersten Rennhäfte das gesamte Team zu einem 3x3-Zwischenspurt antrieb, und damit plötzlich alle zusammen an der Spitze des Feldes hatte.  

Doch schon vom Start weg demonstrierte BIANCHI, dass an diesem Tag mit ihnen zu rechnen sein würde. Nachdem Chris Froome vom TEAM SUNWEB (Martin) sich mit einer sehr frühen Attacke abgesetzt hatte, waren es Poppi und Wolfshohl, die ihm als einzige entschlossen nachsetzten, während sich Jens Voigt (Peugeot) als Gesamtführender im ROSA Trikot damit begnügte, seine Konkurrenten in der Gesamtwertung, Zoetemelk, Knetemann und Pantani unter Kontrolle zu halten.

Zwar konnte das Hauptfeld bis zum ersten Anstieg die Lücke zu den drei Ausreißern wieder schließen, doch dann kam eben dieses Momentum, welches, wie Torsten Maferro in seiner Rennanalyse später sagte, wahrscheinlich der Schlüssel zum Etappensieg war. Der Tempoverschärfung von Bianchi vor der ersten Bergwertung des Tages zu folgen, fiel besonders Team WERNER TELEVISION schwer: Zoetemelk, Knetemann und Bergziege Jiminez hatten offenbar alle drei keinen guten Beine erwischt und waren mehr mit sich selbst beschäftigt, während vorne  die Bianchi-Männer weiter auf die Tube drückten, nun begleitet von PEUGEOT mit Jens Voigt und Roberta Millar, die die Chance witterten, ihren Hauptkonkurrenten in der Gesamtwertung, Zoetemelk und Knetemann weh zu tun.

Und dies sollte gelingen! Auch die zweite Bergwertung des Tages, hoch auf dem SELLA RAZZO(1811) holte sich Poppi, diesmal vor seinem Kapitän Wolfshohl. Mit vorne dabei war nun auch Voigt (Peugeot), der sein rosa Trikot zwar durch Bianchis Attacke nicht ernsthaft in Gefahr sah, aber die Gunst der Stunde nutzte, um Joop Zoetemelk und auch PANTANI*, der einen rabenschwarzen Tag erwischte und sich abgeschlagen am Ende des Feldes abrackerte, weitere Sekunden abzunehmen.

Am letzten und schwersten Anstieg des Tages trat Fausto Poppi dann zu seiner finalen Attacke an. Voigt, Froome und Wolfshohl, die einzig verbliebenen Verfolger, konnten ihn bis zum Gipfel nicht mehr einholen - sie kamen mit ‘50 Sek. Rückstand in’s Ziel. Joop Zoetemelk kämpfte sich allein den letzten Berg hoch. Er hielt seinen Rückstand mit 2′40 auf den Tagessieger und ‘50 Sek.  auf das Rosa Trikot immerhin in halbwegs erträglichen Grenzen. 

Der taktische Plan von Torsten Maferro war aufgegangen! Dies dürfte dem Sportlichen Leiter, der zuletzt arg im Kreuzfeuer der italienischen Sportpresse stand, wieder etwas mehr Rückhalt verschaffen. Das Rosa Trikot von Jens Voigt scheint allerdings bei Rückständen der Verfolger von 1′56 (Joop Zoetmelk), 2′06 (Rolf Wolfshohl) und 2′10 (Fausto Poppi) bislang ungefährdet zu sein… - aber wer weiß, welche Kräfte dieser Erfolg besonders bei BIANCHI auf der nun bevorstehenden Hochgebirgsetappe noch freisetzen kann…

Auf dem Gipfel des Monte Zoncolan (1730m) feiert Nationalheld Fausto Poppi seinen ersten Etappensieg bei einer großen Tour.